Dienstag, 31. Mai 2011

Architektur in Helsinki - IV: Etu-Töölö 1. Jugendstil


Etu-Töölö entstand während des ersten Bau-Booms Helsinkis, zu Beginn der 10’er Jahre des letzten Jahrhunderts. Niemals wieder wurden derart hohe Summen in Neubauten investiert wie in dieser Phase, doch diese Phase war kurz, denn bald kam der Erste Weltkrieg und im Anschluss der Bürgerkrieg, im Zuge der Unabhängigkeitserklärung.  

Die architektonischen Ankündigungen der finnischen Unabhängigkeit sind vielfältig, aber besonders deutlich im finnischen Jugendstil zu finden. Der Jugendstil kam spät nach Helsinki, wurde dann aber prägend für das Stadtbild. Gleichzeitig ist der Jugendstil hier auch stärker national betont, als im rest Europas. Es ging um die Schöpfung einer nationalen Identität, auf allen kulturellen Gebieten.
Am deutlichsten ist das zu sehen am Nationalmuseum (und am Cafe Jugend)

  
Die Fresken, im Eingangsbereich, zeigen Szenen aus der Kalevala (der finnischen-Niebelungen-Sage) Künstler was Axeli Gallen-Kallela (Eine Kombination aus einer finnischen und schwedischen Version ein und desselben Nachnamens, Finnisiserungen von Namen war typisch in dieser Zeit) 

Auf dem Ersten bändigt Ilmarinen das Eisen. Auf dem Zweiten pflügt Ilmarinen ein Feld mit giftigen Schlangen im Boden. Das Pflügen dieses Feldes war die Zweite von drei Aufgaben welche ihm die Nordlands Wirtin gestellt hatte, damit Ilmarinen ihre Tochter ehelichen darf. Nur durch ihre Hilfe besteht Ilmarinen alle Prüfungen. Das Dritte zeigt Väinämöinen den Hauptheld der Sage, wie er einen magischen Hecht erlegt, auf dem Weg ins Nordland um dort den von Ilmarinen geschmiedeten magischen Sampo zu stehlen. Das Vierte zeigt wie die Nordlands-Wirtin in Gestalt eines riesigen Vogels versucht den gestohlenen Sampo zurück zu stehlen.


Innenraum des Cafe-Jugen
Das Cafe-Jugend (nicht in Etu-Töölö) ist im inneren einem Wikinger Haus nachempfunden. Ungeachtet der Tatsache, dass die Wikinger nie hier gesiedelt haben, hielt man diese Formsprache für authentisch national-nordisch.   











Die Kallio-Kirkko thront über der Stadt und Symbolisiert die Bedeutung des Jugendstils für das Stadtbild.  (Kallio-Kirkko nicht Teil von Etu-Töölö, sondern von Kallio – dem Friedrichshain Helsinkis)

Orgelempore




Sonntag, 15. Mai 2011

Turku III - Nachtrag - Freitag der 13.


Nach Gefängnis und Dom, war unsere Exkursion offiziell zu ende. Ich wollte aber noch in die Tom-of-Finnland Ausstellung im hiesigen Kulturzentrum. Trotzdem: ich war ziemlich KO und entschied deshalb erst mal einen kurzen Snack am Bahnhof einzulegen. Ich kaufte mir was am R-Kioski und setzte mich auf eine Bank, so weit so gut! 

An der Museumskasse jedoch war mein Portemonnaie, mit Fahrkarten, EC und Kredit Karte auf einmal weg! Panik! Am Bahnhof hatte niemand ein Portemonnaie gefunden.  Auf der Bank lag auch nichts. Panik! 

Das Portemonnaie war hinter dem Rucksack, in dem Netz was während des Fahrradfahrens Luft an den Rücken lassen soll. Honk! Erleichterung. 


Der Zug fuhr trotzdem nicht wie er sollte, ein Baum war auf die Oberleitung gefallen und deshalb mussten wir nicht nur lange warten bis wir in den Zug konnten, (ohne Oberleitung kein Strom, ohne Strom keine elektronische Türöffnung etc.) sondern bekamen auch noch das Privileg die Hälfte des Weges mit einem Ersatzbus zurückzulegen, und das letzte Drittel dann mit der Stadt-Bahn.

Turku II - Kakola


 
Bis 2007 war Kakola als Gefängnis in Betrieb. Es ist das wohl berühmteste Gefängnis Finnlands. Ich hatte im Deutschlandfunk einen Beitrag über das Gefängnis und Turku als Europäische Kulturhauptstadt gehört, und deshalb dem Kurs vorgeschlagen das Gefängnis zu besuchen. Alle waren einverstandene, und deshalb ging es anstatt in die mittelalterliche Burg in das moderne Gefängnis aus dem 19. Jahrhundert. Gegründet würde das Gefängnis als Straf- und Korrektionsanstalt um 1850. So alt waren auch die ältesten Gebäude. Gebaut ist das Gefängnis aus Granit, der hier aber Kakolit hieß weil ihn die Gefangenen selber abbauten. Die Gefangenen bauten sich ihr eigenes Gefängnis. Das Gefängnis ist aber über Jahrzehnte gewachsen.

Das Panoptische-System, wonach man das ganze Gebäude von einem Punkt aus überwachen konnte, wurde in Philadelphia entwickelt. Deshalb nennt man diese, für Gefängnisse so typischen, Gänge auch Philadelphia-Trakt.

Parallel zum Philadelphia Trakt gab es auch noch einen Trakt, der  nur aus Nachtzellen bestand, evangelikale Christen glaubten, dass der Mensch am besten gebessert würde bei täglicher, strapaziöser Arbeit; in der Zelle war der Gefangene dann nur nachts. Ich habe leider kein Foto von diesen Zellen gemacht.
 
Auch modernere Teile wurden nach dem Philadelphia Prinzip errichtet, als aber Video-Überwachung aufkam, konnte man umbauen, deshalb ist von den Netzböden nichts mehr zu sehen.  

Spirituelle Fürsorge war im Gefängnis außerordentlich wichtig, deshalb gab es auf dem Gelände zwei Kapellen. (es gibt streng genommen auch zwei, voneinander getrennte, Gefängnisse auf dem Berg. 

Die "Kleine Kammer"

Eine hieß unter den Gefangenen „Kleine-Kammer“ weil ursprünglich jeder Gefangene durch Trennwände von seinen Mitgefangenen getrennt war, damit kein sozialer Kontakt aufkam. 





Die Bibliothek war ebenso wichtig, und die Gefangenen mussten am Schalter auf ihre Bücher warten, die Dielen tragen noch Spuren von der Stelle an der die Gefangenen warten mussten.

Und natürlich, Gefängnis hin oder her, ohne Sauna geht in Finnland nichts!



 
Wie gesagt, bis 2007 war das Gefängnis in Nutzung, und auch heute noch finden sich viele Gegenstände und Spuren der Nutzung. Im 5-Sterne Haus Kakola ;)



 
  
Der Ausblick über die Stadt war berühmt, mann sieht den Hafen und die Burg ;)


Samstag, 14. Mai 2011

Turku I - der Dom


Gestern, war ich mit meinem Kurs "1000 Jahre Christentum in Finnland“ in Turku, der ältesten Stadt Finnlands. Bei einem großen Feuer 1827 ist beinahe die ganze Stadt abgebrannt, es gab über 11000 Tote und das Feuer war noch 50km entfernt zu sehen! Viel mittelalterliches Turku ist damals zerstört worden, leider auch die Bibliothek. (siehe auch der Text zur Kansaliskirjasto von Helsinki) Damit ging auch eine ganze Reihe an Dokumente verloren, deshalb gibt es wenig Überlieferungen über die frühe Geschichte Turku’s. (Keine Gründungsurkunde oder ähnliches) Es gibt jedoch eine päpstliche Erlaubnis von 1229, wonach es gestattet wurde in Turku einen Dom zu errichten. Die Gründung des Bistums und die Errichtung des Domes gelten also als Begin Turku’s, als Begin des Bistums Finnland und als Beginn Finnischer Geschichte! 

Der Dom ist auch die größte Kirche des Landes, und eine der ganz wenigen mittelalterlichen Kirchen Finnlands überhaupt. 


 Turku ist dieses Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Deshalb fanden sich in der Kirche einige interessante moderne Kunstwerke, unter Anderem von Andy Warhol!  















Wir hatten das Privileg einer Führung, dabei konnten wir auch in die Sakristei schauen. Eine der größten Sakristeien des Mittelalters mit Platz für über 200 Menschen. Hier wurden auch die Bischöfe gewählt.
 

 In dieser Nische lagen die Reliquien  von Sankt Henry, dem ersten Bischof Turku’s. Missionar und Märtyrer für den christlichen Glauben in Finnland.
 

 
Lübeck ist überall, diese Ur-Ur-Ur-Ur…. alte Taufschale war im Dom-Museum zu sehen, liebe Grüße an alle Leser des Zauberbergs ;)